Die Blende in der Fotografie

 

Einer der wichtigsten Faktoren in der Fotografie ist die Blende. Die Blende ist eine Lamellenöffnung im Objektiv, die sich öffnet und schließt. Sie hat zwei Einflüsse auf ein Foto. Zum einen kontrolliert sie die Helligkeit zum anderen die Schärfentiefe (oder auch Tiefenschärfe).

Allgemeines zur Blende

Sicher kennst du die Portraits oder auch Makroaufnahmen, bei denen nur ein kleiner Teil des Bildes scharf ist. Der Rest verschwindet in Unschärfe. Bei dieser Art von Bildern sprechen wir von einer geringen Schärfentiefe. Wir kontrollieren die Größe dieses Bereiches mitunter durch die Blende und haben hierfür unterschiedliche Anwendungsbereiche. In der Landschaftsfotografie möchten wir möglichst viel scharf haben. Doch hierfür ist es nicht notwendig die Blende bis zum Anschlag zu schließen! Je nach Objektiv und Kamera reichen hier schon Blendenwerte von 5.6 oder höher um von einer hohen Schärfentiefe zu sprechen. Das Gegenteil sind geringe Blendenwerte. Diese öffnen die Blende weiter und sorgen für einen geringen Schärfebereich.

Blendenwert

Der Wert der Blende ist ein klein wenig verwirrend, denn mit einem höheren Wert haben wir eine geschlossene Blende und mit einem geringen Wert haben wir eine offene. Dies liegt daran, dass es sich bei dem Blendenwert um einen Bruch handelt. Eigentlich stellen wir keine Blende 4, sondern eine Blende f/4 ein. Das liegt daran, dass sich der Blendenwert aus der Brennweite des Objektives und dem Durchmesser des Lichtdurchlasses errechnet. Das erklärt, warum Objektive manchmal sehr dick sind, ist für Anfänger allerdings schwer zu merken. Viel einfacher ist:

groß oder offen = kleiner wert (1.4 oder 2.8)

klein oder geschlossen = großer wert (11 oder 22)

Blendenschritt

Wem das jetzt noch nicht zu viel war, für den habe ich noch einen Tipp. Denn wir haben bei den Blendenwerten eine bestimmte Vorgehensweise. Wie du vielleicht schon gemerkt hast, kannst du an deiner Kamera keine Blende 3.8 einstellen; eine Blende 4 funktioniert allerdings… Warum?

Das hat mit einer ganz einfach Rechnung und Logik zu tun. Macht die Blende einen ganzen Schritt (von beispielsweise 5.6 auf 8) lässt die nur noch halb so viel Licht in die Kamera fallen. Umgekehrt bedeutet das natürlich wieder von f/ 4 auf f/2.8 lassen wir doppelt so viel Licht in die Kamera. In diesem Fall spricht man von einem Blendenschritt. Diesen gibt es in ganzen Schritten und in Drittel-Schritten.

Ganze Blendenschritte:

1 – 1.4 – 2 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22

Jetzt gibt es, um die Blende feiner einstellen zu können, noch Drittel-Schritte. Diese sind in den meisten Kameras zwischen den ganzen Blindenschritten zu finden. (2 – 2.2 – 2.5 – 2.8). An diesem Blendenwert orientieren sich sehr viele Werte in der Fotografie; ebenfalls die Belichtungszeit und der ISO Wert.

Einfach ausgedrückt kann man jedoch sagen, dreht man an der Kamera ein Einstellungsrad drei Schritte in eine bestimmte Richtung, hat man die Lichtmenge halbiert, oder verdoppelt. Je nachdem in welche Richtung.

Der Schärfebereich

Der Schärfebereich ist der Bereich in einem Bild, der scharf ist. Die Größe des Schärfebereiches wird, unter anderem, durch die Öffnung der Blende kontrolliert. Wenn du sie weiter öffnest, wird der Schärfebereich kleiner, wenn du sie schließt, wird er größer.

Durch den Autofokus, kannst du kontrollieren an welcher stelle das Bild scharf ist, durch die Blende wie weit sich diese Schärfe nach vorne oder nach hinten ausbreitet. Beachte bitte, dass sich dieser Schärfebereich auf der Kameraachse ausbreitet. Alles was links oder Rechts von deinem Motiv ist kann somit auch scharf sein.

Mit offener Blende fotografieren

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Das Öffnen der Blende hat einige Vorteile. Du kannst auf diese Art den Schärfebereich in deinem Foto klein halten, was für einen wunderschönen fokussierten Look in der Portraitfotografie oder Makrofotografie sorgt.

Mit geschlossener Blende fotografieren

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Das komplette Gegenteil ist natürlich die geschlossene Blende. Die geschlossene Blende sorgt dafür, dass das Bild natürlich dunkler wird. Es kommt weniger Licht in die Kamera, also wird das Bild dunkler. Das kann von Vorteil sein, wenn wir länger belichten wollen oder einen großen Schärfebereich benötigen.

Der Schärfebereich wird durch das Schließen der Blende (f/5.6 -> f/8 oder kleiner) immer größer. Das ist gerade für Gruppenbilder oder Landschaftsaufnahmen super, denn in diesem Moment wollen wir natürlich alles scharf haben. Hierfür ist es nicht notwendig die Blende auf f/22, also bis zum Anschlag zu schließen. In den meisten Fällen reicht eine Blende von 5.6 schon aus. Das hängt von weiteren Einflüssen auf den Schärfebereich ab. Diese erkläre ich dir jetzt auch noch.

 

Weiterer Einfluss auf den Schärfebereich

Der Schärfebereich ist abhängig vom Abstand zum Motiv und der verwendeten Brennweite. Wenn du im Weitwinkel fotografierst, ist der Schärfebereich (auch Schärfentiefe), bei gleichem Abstand, deutlich größer als bei einem Teleobjektiv.

Ein Beispiel mit Blende 2 und einem Abstand von 4 Metern:

  • 17mm = 20,92m Schärfentiefe
  • 50mm = 0,77m Schärfentiefe
  • 200mm = 0,05m Schärfentiefe

Den gleichen Einfluss hat auch die Entfernung zum Motiv. Ist dir schon mal aufgefallen, dass der Abstand zum Motiv die Unschärfe im Hintergrund verändert? Mit viel Abstand ist der Schärfebereich recht groß, mit einem geringen Abstand wird er immer kleiner.

Wieder das Beispiel mit Blende 2 und einer Brennweite von 50mm

  • 1 Meter Abstand – 0,05m Schärfentiefe
  • 2 Meter Abstand – 0,19m Schärfentiefe
  • 5 Meter Abstand – 1,21m Schärfentiefe

Wenn du also Unschärfe im Hintergrund deiner Portraits haben möchtest, solltest du nicht nur eine offene Blende wählen, sondern auch nah an dein Motiv herangehen (und Abstand zum Hintergrund halten).

Der Zusammenhang all dieser Einflüsse und Faktoren ist am Anfang bestimmt nicht einfach zu verstehen, doch mit der Zeit wird dies immer einfacher. Mit etwas Übung wirst du ein Gespür dafür entwickeln, welche Kombination aus Blende, Abstand und Brennweite die passende für die jeweilige Situation ist.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Fotografieren 🙂

Limits des Objektives

Du hast jetzt schon viel über Blenden und Schärfentiefe gelernt. Wie du bestimmt schon festgestellt hast, kann nicht jedes Objektiv jede Blende einstellen. Der Grund hierfür ist meist der Zoom. Der Zoom benötigt Platz im Objektiv. Jedes bewegliche Teil fordert seinen Tribut und sorgt meist für dieses Limit. Deshalb kannst du die Blende meist nicht weiter öffnen, doch was ist die Lösung?

Objektive mit der größten Offenblende, sind Festbrennweiten. Eine Festbrennweite ist ein Objektiv ohne Zoom und schafft meist f/1.8 oder noch offener (f/1.4 oder f/1.2). Es gibt auch Zoomobjekitve, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten, doch diese sind oft sehr teuer. Wenn du also mit einer kleinen Schärfentiefe arbeiten möchtest, solltest du auf eine Festbrennweite setzen.

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